Donnerstag, 27. April 2006

Gainesville Rock City

Gestern stand in Finns und Martins Konzertkalender ein ganz besonderes Highlight: die Ska-Punker von Less Than Jake und die Folk-Punker von den Dropkick Murphys gaben sich gemeinsam im Kölner E-Werk die Ehre. Das ist ungefähr so wie 50% Haargel gratis oder 2 Cocktails zum Preis von einem oder Weihnachten und Ostern zusammen. Also auf jeden Fall ziemlich toll und gleichzeitig meine Dropkick Murphys-Premiere.

Los ging's auf die Sekunde genau um 20 Uhr mit Far From Finished, die wie eine Mischung aus Dropkick Murphys und Social Distortion klangen und deren Sänger nur 1½ Arme hatte. Das hielt die Kapelle allerdings nicht davon ab, mit okayen Liedern die Stimmung ordentlich anzuheizen (die übrigens schon vor dem Konzert besser war als während des ganzen Muff Potter-Konzis) und nach einer halben Stunde wieder zu verschwinden.

Pünktlich wie die Maurer um 21 Uhr erschienen Less Than Jake auf der Bühne und beförderten die Stimmung in ungeahnte Höhen. Die Show war für eine Punkband schon fast bombastisch (mit Konfettikanonen und Kram) und die Songauswahl extrem gut. Die Jungs verzichteten auf viele (nicht so tolle) neue Lieder und spielten stattdessen größtenteils (sehr tolle) Klassiker wie z.B. "Jen Doesn't Like Me Anymore" und "Johnny Quest Thinks We're Sellouts". Wie immer bei LTJ waren außerdem die Bläser eine absolute Augenweide, wenn sie gerade "arbeitslos" waren. Der Abgehfaktor war darüber hinaus außergewöhnlich hoch, sodass ich nachdem die 5 aus Florida nach 1 Stunde Höllentempo die Bühne wieder verließen kletschnass geschwitzt war und mir alles weh tat.

Nach einer weiteren halbstündigen Umbaupause starteten dann die Dropkick Murphys. In Anbetracht meines körperlichen Zustands und der Tatsache, dass beängstigend viele 2x2 m große böse guckende Schränke in Kilts nach vorne drängten, hielt ich mich nun allerdings vornehm im Hintergrund. Die 7 Bostoner brachten dennoch das Kunststück fertig, die Stimmung noch weiter anzuheizen, die Lautstärke noch weiter raufzudrehen und so ziemlich die ganze Halle zum Tanzen und zum Mitgröhlen zu bringen. Dies schafften sie vor allem durch eine sehr abwechslungsreiche Playlist, nach der sie fast ohne Pause mittelschnelle, schnelle und superschnelle Stücke "in die Mikrofone fickten" (wie die Yeti Girls zu sagen pflegten) und durch eine sehr abwechslungsreiche Instrumentierung. Nahezu bei jedem Song wurde mind. 1 Instrument ausgetauscht und so kam man während des Konzerts in den Genuss von Banjo, E-Mandoline, Akustikgitarre, Akkordeon, Tin Whistle und Dudelsack (der Dudelsackist Dudelist Dudelsackspieler war übrigens authentisch mit Opamütze und Kilt bekleidet und tätowiert). Die etwas gemäßigteren und mit viel Folk-Elementen versehenen Songs waren dann auch die Highlights des Programms. Da fiel sogar der Rolli-Rocker (ein Altrocker im ZZ-Top-Style und im Rollstuhl, der sich im Bühnenhintergrund aufhielt und kräftig mitrockte) fast vom Stuhl. Beim letzten Lied durfte übrigens jeder der wollte auf die Bühne, was ich vorher auch nur bei Liquido erlebt habe (was jetzt nicht unbedingt was heißen soll, außer dass das ne ungewöhnliche Aktion ist).

Fazit: Phänomenale Stimmung, phänomenale Bands, bis jetzt das beste Konzert des Jahres!

Gerade läuft: Marketing

PS: Während des Auftritts von Less Than Jake wurde ich von einem Wombat attackiert, was einen Großteil meiner Schmerzen erklärt. Ich konnte knapp entkommen, mein Bein ist jedoch zertrümmert.

1 Kommentar/e:

nachbarin hat gesagt…

Ich fand Muff Potter toll

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