Mittwoch, 16. August 2006

Kinotag: Trennung mit Hindernissen

Weil ich gestern leider keine Audienz beim Papst hatte, blieb für mich nur der erneute Kinobesuch. Und weil es nix Interessanteres zu sehen gab, genehmigte ich mir eine "Trennung mit Hindernissen".

Der Film handelt von der Beziehung zwischen Brooke (Jennifer Aniston) und Gary (Vince Vaughn), die nicht klischeebehafteter sein könnte. Brooke ist die feinfühlige, kultur- und ballettaffine Frau, die nach der Arbeit in der Kunstgalerie brav für ihren Liebsten kocht, putzt, aufräumt, macht und tut, während Gary - ein Prototyp von Mann - sich nach getaner Arbeit als Touristenführer am liebsten aufs Sofa packt, dort Baseball guckt oder GTA San Andreas zockt und seine Liebste brav für sich kochen, putzen, aufräumen, machen und tun lässt, ohne je auf die Idee zu kommen, selber mal einen Finger zu rühren. Natürlich kann so eine Konstellation nicht lange gut gehen und so kommt es, wie es kommen muss: Eines Tages entzündet sich ein heftiger Krach an 3 Zitronen, die eigentlich 12 Zitronen hätten sein sollen und Brooke und Gary sind wieder Singles. Da beide jedoch die gemeinsame Wohnung für sich beanspruchen und keiner bereit ist, von seinem Standpunkt abzurücken, teilen sie sie kurzerhand in Brooke- bzw. Gary-Territorium auf und versuchen, das ehemalige(?) Herzblatt mit allen Mitteln eifersüchtig zu machen.

Wie ich schon in dem what you call a "grober Umriss" anzudeuten versucht habe, ist "Trennung mit Hindernissen" eine einzige Bedienung von Klischees. Das fängt bei den Figuren Brooke und Gary an, zieht sich weiter durch die Ratschläge, die Brookes beste Freundin ihr gibt, über die Reaktion, die Gary auf die Umsetzung dieser Ratschläge zeigt, bis hin zu Brookes (selbstverständlich schwulem) Kollegen in der Kunstgalerie. Diese "Charakteristik" sorgt zwar einerseits für einen mehr oder weniger amüsanten Rosenkrieg, andererseits macht sie den Film extrem leicht vorhersehbar. Die Trennung ist abzusehen (selbst wenn sie nicht Aufhänger für die Story und demnach schon vorher bekannt gewesen wäre), das Verhalten der beiden Ex-Turteltäubchen ist abzusehen (und zwar ziemlich exakt), die Storywendungen sind abzusehen und das Ende ist in gewisser Weise auch abzusehen. Wobei hier positiv zu bemerken ist, dass es kein 100%iges Hollywood-Happy End gibt (sondern nur ein ca. 85%iges).
Darüber hinaus macht es den Eindruck, als hätte sich der Regisseur nicht entscheiden können, ob er aus "Trennung mit Hindernissen" eine Komödie oder ein Beziehungsdrama macht. So zeigt der Film in der ersten Hälfte alle Anzeichen einer Komödie (wozu auch die übertrieben gezeichneten Charaktere (s.o.) passen würden), rutscht aber in der zweiten Hälfte immer weiter in die Drama-Ecke. Alles in allem ist er auch deswegen weder Fisch noch Fleisch, sondern eher Rohkost. Nicht unbedingt schlecht, aber als Leibgericht aufzählen tut's auch keiner.

Gerade läuft: Nix

3 Kommentar/e:

Stuessy hat gesagt…

Ich finde die Analogie mit der Rohkost ja genial. Was ist nur für Frauen kein pures Gift? Rohkost! Der Film ist laut deiner Aussage Rohkost. Ergo: 100% Frauenfilm! :)

Schwästa hat gesagt…

Ich fand ihn witzig!Besonders den lustigen singenden Bruder *lach* Und ich fand das Ende klasse!Hätte ich echt nicht mit gerechnet!!!!
Auch wenn ich jetzt damit in ein Klischeè verfalle und diesen Film als Frauenfilm deklariere...

Martin hat gesagt…

100% Frauenfilm würd ich nicht sagen, immerhin hätte ich mich teilweise wegschmeißen können vor Lachen (der singende Bruder war tatsächlich sehr geil). Und ich ess ja auch mal ganz gerne rohe Paprika oder sowas. Allerdings nicht, wenn ich stattdessen auch ein saftiges Steak haben kann.

Also: Wäre gleichzeitig noch "Stirb langsam" oder sowas gelaufen, hätte mich "Trennung mit Hindernissen" nicht die Bohne interessiert ;)

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