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Sonntag, 18. November 2007

Büchertag: Ken Follett - Die Säulen der Erde

Die Säulen der ErdeManchmal ist das Leben ja schon sehr verrückt. Beispiel: Monatelang krieg ich's nicht auf die Reihe, auch nur ein vernünftiges Buch zu lesen und jetzt sind's schon wieder 1000 auf einmal. Da wird ja die Hand in der Pfanne verrückt! "Schampus mit Lachsfisch", zielstrebig dahinvegetierend zu einem Buch- und Kinoblog? Theoretisch möglich wär's. Praktisch allerdings nicht, dafür stehen viel zu revolutionäre Dinge auf Turbomartins ToBlog-Liste. Aber darum geht's hier und jetzt ja erstmal nicht, sondern - wie schon subtil angedeutet - schon wieder um eine außerordentlich gute Papiersammlung, die jeden Quadratmikrometer des für sie abgeholzten Regenwalds wert ist. Genauer gesagt geht es um Ken Folletts Klassiker "Die Säulen der Erde". Und der geht so:

England. 12. Jahrhundert. Tiefstes Mittelalter. Eine Zeit, in der Männer noch Männer sind und in der die bloße Erwähnung des Wortes "Hölle" selbst bei den tyrannischsten Herrschern Heulkrämpfe hervorruft. Mindestens. Und die Zeit von Tom Builder, einem arbeitslosen Baumeister, der mit Kind und Kegel durch die Wälder zieht, fast verhungert und eine Kathedrale bauen will. Und die Zeit von Jack Jackson, der mit seiner Mutter im Wald lebt und zwar schlau ist, aber dumm. Und die Zeit von Prior Philip, einem jungen Mönch, der erst ein Kloster auf Vordermann bringt und dann noch eins. Und die Zeit von Aliena von Shiring, einer Grafentochter, die einen Bruder hat und schön ist. Und die Zeit von William Hamleigh, einem Grafensohn, der eine hässliche Mutter hat und blöd ist, dafür aber auch böse. Und die Zeit, in der ein jahrelanger Bürgerkrieg herrscht und sich die Wege aller Beteiligten das ein oder andere Mal kreuzen, was nicht immer unblutig endet...

Das mit mir und "Die Säulen der Erde" war ja immer so ne Sache, die vor ca. 3 oder 7 Jahren begonnen haben muss. Da sagte ich: "Mutter! Ich brauch was zu lesen." Dann sagte Mutter: "Hier, Die Säulen der Erde. Top Buch!" Dann sagte ich: "Ich guck mal... Mannometer, hier will einer ne Kathedrale bauen. Im Mittelalter. Wie interessant... NICHT!" Letztes Jahr dann nochmal, nur anders. Da hat die damalige Frau gesagt: "Mann! Guck mal, was ich jetzt lese. Ein ganz dickes Buch." Dann sagte ich: "Oh. Die Säulen der Erde. Das findet meine Mutter ja so toll." Dann sagte Frau: "Das ist auch toll. Ich bin schon auf Seite 23." Dann sagte ich: "Wow. Also mich interessiert's nicht. So ein Geschichtsgedöns ist nix für mich." Und dann musste ich letzten Monat mit der Bahn nach Schwerin fahren, brauchte Langeweileüberbrückungsmaterial und hab mir gedacht, dass ein dickes Buch länger hält. Tat es dann aber doch nur bedingt, irgendwie - in nicht mal 4 Wochen waren 1151 Seiten einfach vernichtet. Das ist aber auch ein fantastisches Buch! Spannende Story(s), grandios erzählt, (fast) nie langweilig und sowas von abwechslungsreich. Dass die Charaktere nicht übermäßig differenziert dargestellt werden, böse Menschen immer böse Menschen und gute Menschen immer gute Menschen bleiben - geschenkt. Dass ich normalerweise mit historischen Romanen nicht viel anfangen kann - ja und?! Folletts Erzählstil und die mit vielen Wendungen gespickte, intelligent konstruierte Story reißen einen so dermaßen mit, dass man eigentlich gar nicht anders kann als die Zeit zu vergessen. Von daher lautet jetzt einfach mal mein Befehl: Lesen! Immerhin ist "Die Säulen der Erde" eines der besten Bücher, die ich kenne.

Gerade läuft: Nix

Samstag, 10. November 2007

Büchertag: Lucy Kellaway - Depptop

DepptopEs wird mal wieder Zeit, ein Buch zu empfehlen, das es geschafft hat, die strengen turbomartinschen Qualitätskontrollen zu passieren und den immensen Arbeitsaufwand, den eine Buchempfehlung mit sich bringt, zu rechtfertigen. Ebendieser war für das hier empfohlene Buch - die Rede ist übrigens von Lucy Kellaways Debütroman "Depptop" - sogar so groß, dass ich erst jetzt einen angemessenen Wortschwall fabrizieren kann, obwohl ich das Buch bereits im Urlaub verschlong. Aber was tut man nicht alles, um seinem Bildungsauftrag gerecht zu werden?!

Ich fang auch ganz behutsam an, und zwar mit dem Dreh- und Angelpunkt des Romans. Der heißt Martin Lukes, ist Marketingdirektor der Londoner Firma A&B und der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Gäbe es die Worte egoistisch, narzisstisch und opportunistisch noch nicht, für Martin Lukes müssten sie erfunden werden. Kein Tag vergeht, an dem er sich nicht bei seinen Vorgesetzten einschleimt, an dem er nicht seine Untergebenen tyrannisiert und an dem er nicht seine Frau belügt und betrügt. Doch für Lukes ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Es gilt, die maximale Performance um 22,5% zu steigern, was immer das auch heißt. Zu diesem Zweck bucht Martin ein 12-monatiges Coaching-Programm, das ihm zu ungeahnten Karrierehöhen verhelfen soll. Per E-Mail...

E-Mail ist rein zufällig auch direkt ein gutes Stichwort. Denn: "Depptop" besteht aus nix anderem. Auf knapp 500 Seiten schnüffelt man sich Big Brother-mäßig durch Martin Lukes' "Gesendet"-Ordner, liest sämtliche Mails an Chefs, Kollegen, Frau, Geliebte und Kinder und lernt so sämtliche Facetten der Hauptfigur kennen. Der Handlung kann man dabei besser folgen, als man im ersten Moment denkt - die fehlenden Informationen sind leicht aus Martins Antworten herauszulesen. Gerade das ist auch eines der Dinge, die mir besonders an "Depptop" gefallen haben: wenn man's genau nimmt, steht die eigentliche Handlung überhaupt nicht im Buch, sondern manifestiert sich fast ausschließlich im Kopf des Lesers; "Depptop" bestimmt lediglich die Rahmenbedingungen. Mögig, sowas. Buch 2.0 quasi, mit lesergeneriertem Content.

Aber nicht nur, dass "Depptop" interessant konzeptioniert ist - das Gerät ist auch noch zum Schreien komisch! Realsatire at its best! Ich könnte wetten, dass jeder, der schonmal in einer größeren Firma gearbeitet hat, einen Martin Lukes kennt; und auch die anderen Charaktere wie z.B. der "dynamische" CEO Barry Malone (von dem auch einige Rundmails abgedruckt werden) wirken wie aus dem echten Leben gegriffen. Klar, alles ist maßlos übertrieben und wird ins Lächerliche gezogen (z.B. das Millionenprojekt "Re-Branding", in dem der Firmenname von A&B in a-b glöbâl geändert wird). Aber alles enthält eben doch ein Körnchen Wahrheit und ist deshalb nochmal doppelt so lustig. Und um mal langsam zum Ende zu kommen: Wer Stromberg mag, wird auch bei "Depptop" voll auf seine Kosten kommen. Versprochen.

Gerade läuft: Jupiter Jones - Luft malen und Wunder erklären (Album: Entweder geht diese scheußliche Tapete - oder ich)

Freitag, 23. März 2007

Büchertag: Neue Vahr Süd

Sven Regener - Neue Vahr SüdWas für ein Timing! Pünktlich zum Ende dieses Praxisquartals (und damit auch zum Ende meines Anti-Aggressions-Trainings durch die Bahn) hab ich's geschafft, die Lektüre von Sven Regeners "Neue Vahr Süd" zu beenden. Und wenn es einen einzigen Grund gibt, die täglichen Bahnfahrten zu vermissen, dann ist es der, dass ich das Buch nicht direkt nochmal lesen kann. Kein Wunder also, dass ich ihm einen huldigenden Blogeintrag gönnen werde, in dessen 2. Absatz sich eine kurze Inhaltsangabe befindet.

"Neue Vahr Süd" ist nach dem grandiosen "Herr Lehmann" Sven Regeners zweiter Ausflug in die Welt der Schriftsteller, handelt wie "Herr Lehmann" auch von Herrn Lehmann, spielt aber anders als "Herr Lehmann" nicht im Berlin der späten 80er, sondern im Bremen der frühen 80er Jahre. Zu dieser Zeit wurde Herr Lehmann noch von allen Frank genannt, hat aber trotzdem nicht weniger Probleme. Schließlich hat Frank aus ihm selbst nicht ganz verständlichen Gründen vergessen, den Wehrdienst zu verweigern und muss jetzt zur Bundeswehr. Fortan verbringt er seine Mon- bis Freitage also damit, seine Hemden auf DIN A4 zu falten und sich bei Hauptfeld, Spieß und Stuffz ordnungsgemäß abzumelden, während er an den Wochenenden zusammen mit seinem besten Freund Martin Klapp und gefühlten 20 anderen (Ex-)Genossen in der wahrscheinlich chaotischsten WG Bremens haust und Bier trinkt oder die Grillplatte Balkan isst. Und dann gibt's da ja auch noch Birgit und Sibille, die Frank zusätzlich verwirren...

Natürlich liegt bei "Neue Vahr Süd" ein Vergleich mit "Herr Lehmann" nah. Und der geht so: Das Buch ist nicht so gut wie "Herr Lehmann". Sondern besser. Der Grund dafür ist eigentlich sehr simpel. "Neue Vahr Süd" hat nämlich alles, was schon Sven Regeners ersten Roman so toll gemacht hat, ist aber doppelt so lang. Das bedeutet, man darf sich an doppelt so vielen skurrilen Situationen erfreuen, in die sich nur Frank Lehmann bringen kann, man lernt doppelt so viele skurrile Leute kennen, die nur Frank Lehmann kennen kann und vor allem wird man Zeuge von doppelt so vielen gedanklichen Verrenkungen, wie sie nur Frank Lehmann zustande bringen kann. Fast schon nebenbei ist "Neue Vahr Süd" auch noch ein bisschen nachdenklich, ein bisschen melancholisch oder einfach nur schön. Also kurz gesagt, bedingungslos zu empfehlen und ganz ganz großes Tennis.

Übrigens: Was für "Herr Lehmann" der Satz "Diese Mischung aus Herr Lehmann sagen und duzen, das ist echt das Schlimmste.", ist für "Neue Vahr Süd" der Satz "Man spricht nicht über Anwesende in der dritten Person." Das nur so als Info.

Gerade läuft: Otep - Filthee (Album: Sevas Tra)

Sonntag, 11. Februar 2007

Büchertag: A Long Way Down

Nach ziemlich langer Zeit werde ich heute mal die angestaubte und meistens zurecht ignorierte Rubrik des Büchertags wiederbeleben. Und zwar aus gutem Grund. Nämlich um das empfehlenswerte Buch "A Long Way Down" von Nick Hornby zu empfehlen. Denn das ist äußerst empfehlenswert. Sollte ich darüber hinaus in Zukunft über ähnlich empfehlenswerte Bücher stolpern, so werde ich zwar Kosten, aber keine Mühen scheuen und die Büchertag-Rubrik erneut für eine Leseempfehlung nutzen. Allerdings werd ich nicht mehr wie früher vor Büchergurken, die eh keiner kennt, warnen. Ist ja auch vollkommen sinnlos. Aber jetzt mal zum langen Weg runter.

Das Buch handelt von 4 Personen, die aus gutem Grund in unterschiedlichen Körpern stecken. Sie sind nämlich grundverschieden. Da wäre zum einen der ehemalige Frühstücksfernsehen-Moderator Martin Sharp, der vor allem durch seinen Seitensprung mit einer 15-jährigen und dem anschließenden Gefängnisaufenthalt von sich reden gemacht hat. Die Zweite im Bunde ist die biedere Hausfrau Maureen, deren einziger Lebensinhalt aus Kirchgängen und der Pflege ihres schwerbehinderten Sohns Matty besteht. Jess Crichton, respektlose Ministertochter und fleischgewordener Zankapfel, ist die dritte Protagonistin und das Quartett komplett macht der Musiker JJ, der einst in einer unerfolgreichen Rockband spielte und eine Freundin hatte. Doch trotz der enormen charakterlichen Unterschiede haben die 4 eines gemeinsam: Den Plan, sich in der Silvesternacht vom Hochhaus zu schmeißen. Zufällig haben sich aber dazu alle dasselbe Hochhaus ausgesucht, was dazu führt, dass letztlich keiner springt. Stattdessen beschließen sie, sich ein paar Wochen gemeinsam durch's Leben zu schlagen und dann zu gucken, ob sie sich immer noch umbringen wollen.

Neben der doch recht... unkonventionellen Story von "A Long Way Down" fällt vor allem Nick Hornbys ebenfalls unkonventioneller Erzählstil auf. Die Geschichte wird nämlich immer abwechselnd von einer der 4 Hauptfiguren weitererzählt, von denen natürlich jede ihre ganz eigene Ausdrucksweise hat. Ist Martin an der Reihe, kann man sich eigentlich immer auf beißenden Zynismus gefasst machen, Maureen schildert die Ereignisse eher vernünftig bis naiv, JJ wälzt sich gerne in Selbstmitleid und Jess ist einfach nur total banane. Kein Wunder also, dass "A Long Way Down" unglaublich abwechslungsreich ist. Mal liegt man lachend am Boden, mal wird man wirklich nachdenklich, aber langweilen tut man sich garantiert nicht! Glücklicherweise verzichtet Nick Hornby dabei auf die große Moralkeule und lässt seine Hauptfiguren stattdessen angenehm locker über ihre Selbstmordabsichten plaudern. So ist das Buch auch meiner Meinung nach nicht als "Anleitung zum Glücklichsein" mit 284 km Tiefgang oder ähnlichem Quatsch zu sehen, sondern in erster Linie als stinknormaler Unterhaltungsroman. Allerdings als ein verdammt unterhaltsamer!

Gerade läuft: Höhner - Pizza wunderbar

Freitag, 14. Juli 2006

Büchertag: Die Begnadigung

Nachdem mich meine letzte Lektüre ja nicht so ganz vom Hocker reißen konnte, zog ich diesmal den Gutes-Buch-garantiert-Joker und begann, "Die Begnadigung" von John Grisham zu lesen. Hat aber irgendwie nur mittelgut geklappt, ich sollte an meinen Jokern arbeiten.

Das Buch handelt von dem ehemaligen Lobbyisten Joel Backman. Der kam in seiner Blütezeit an ein von pakistanischen Studenten geschriebenes Programm, mit dem man den alleinigen Zugriff auf ein geheimes Satellitensystem hat. Backman hatte den Plan, das Programm für einen dicken Haufen Zaster zu verkloppen, wurde dann aber wegen irgendwas in dem Zusammenhang verhaftet und vor Gericht gestellt. Als sein Geschäftspartner ermordet wurde (wahrscheinlich von der Regierung, der die Satelliten ursprünglich gehörten), bekam Backman Schiss, bekannte sich schuldig und wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, von denen er jedoch nur 6 absitzen muss, weil er überraschend begnadigt und nach Italien verfrachtet wird. Allerdings ging die Begnadigung auf Druck der CIA aus, die natürlich weiß, dass das Land, dem das Satellitensystem gehörte, immer noch so sauer auf Backman ist, dass es ihn am liebsten tot sehen würde. Weil die zentrale Intelligenzagentur immer noch nicht weiß, wem die Satelliten gehört haben, würde sie nämlich so 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen.
In Italien muss Backman italienisch lernen und so aussehen, als wäre er Einheimischer. Außerdem wird er permanent von der CIA beschattet, die sobald die Zeit reif ist, Backmans Aufenthaltort den Materazzis einschlägigen Geheimdiensten stecken will. Dummerweise ist der Ex-Lobbyist nicht blöd und legt sich seinen eigenen Plan zurecht.

Soweit verstanden? Dann hab ich gut kaschiert, dass ich es selber nicht so ganz durchschaut hab :) Das ist auch direkt der erste große Minuspunkt des Buches: Die Hintergrundgeschichte ist viel zu kompliziert und die Vordergrundgeschichte vergleichsweise banal. "Die Begnadigung" handelt nämlich nicht (wie man nach dem vorigen Absatz evtl. hätte annehmen können) von der Geschichte, wie Backman an das Programm kommt und wie er verurteilt wird. Stattdessen startet es (wie man nach dem Titel des Buches evtl. hätte annehmen können) bei Backmans Begnadigung und erzählt hauptsächlich von seinen Tagen in Italien. Aus Backmans Vergangenheit werden immer wieder nur Bruchstücke erwähnt, sodass man sich besonders am Anfang fragt, was das ganze Theater eigentlich soll. Ist wahrscheinlich beabsichtigt, hat mir aber nicht wirklich gut gefallen.
Zweiter Minuspunkt des Buches ist das Ende. Das ist nämlich irgendwie nicht vorhanden. Je weiter man liest, desto mehr erwartet man einen großen Showdown. Der kommt aber einfach nicht. Auch doof.
Schlecht ist "Die Begnadigung" aber trotzdem nicht. Zwischendurch ist es recht spannend und da eigentlich kein richtiger Jurist mitspielt (wie in fast allen anderen Grisham-Romanen), bleiben dem Leser auch endlose und langweilige Beschreibungen der Juristerei (wie in fast allen anderen Grisham-Romanen) erspart. Und da Grisham außerdem um ein Vielfaches flüssiger schreibt als Andreas Franz, ist "Die Begnadigung" zwar gemessen an den ersten Romanen von John Grisham nicht wirklich gut, gemessen am Rest der Weltliteratur aber immer noch ganz passabel.

Gerade läuft: Nix

Dienstag, 27. Juni 2006

Büchertag: Tod eines Lehrers

Damit ich die letzten paar Wochen einen Grund hatte, nicht so viel zu lernen, hab ich einfach mal angefangen, den von meinen Eltern für gut befundenen Kriminalroman "Tod eines Lehrers" von Andreas Franz zu lesen. Pünktlich zum Ende der Klausurphase bin ich auch damit fertig geworden, hatte aber wegen Achtelfinale und so bisher noch keine Zeit, die gespannt wartende Öffentlichkeit darüber zu informieren, was hiermit nachgeholt wäre.

Doch - wird sich besagte Öffentlichkeit fragen - worum geht es in diesem ominösen Kriminalroman eigentlich? Finden meine Eltern das Buch nur so gut, weil sie selbst Lehrer sind? Hat Andreas Franz auch einen Nachnamen? Gibt es im Buch einen Gärtner? Schmeckt Pepsi besser als Coke? Um jetzt vollkommene Verwirrung zu stiften, beantworte ich die Fragen von hinten nach vorne: Definitiv nicht. Nein, aber eine Staatsanwältin. Bestimmt. Keine Ahnung. In "Tod eines Lehrers" geht es um den Tod eines Lehrers. Derjenige welche heißt Rudolf Schirner und wurde beim nächtlichen Waldspaziergang regelrecht dahingemetzelt. Dass sein Mord im ganzen Ort großes Unverständnis hervorruft, da Schirner nach einhelligen Aussagen der beste Lehrer der Welt und legitimer Nachfolger von Mutter Theresa war, macht die Suche nach Motiv und Mörder für Hauptkommissar Peter Brandt nicht unbedingt leichter. Doch je tiefer er gräbt, desto schockierender sind die Enthüllungen, die er ans Tageslicht bringt und die Schirner und seine Lehr-Methoden in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

Was mir beim Lesen schon nach den ersten paar Seiten aufgefallen ist: Das Buch ist "typisch deutsch" geschrieben. Ich weiß nicht, warum das so ist, aber mit wenigen Ausnahmen haben alle deutschen Autoren die ich kenne einen unglaublich holprigen und unflüssigen Schreibstil, der das Lesen teilweise richtig anstrengend macht. Andreas Franz ist da leider keine Ausnahme. Und weil dann noch diese Story dazu kommt, die zwar mehr oder weniger kreativ ist, aber eigentlich nur aus recht unrealistischen Zufällen besteht und einen vollkommen überflüssigen zweiten Handlungsstrang besitzt, stand ich diesmal wirklich kurz davor, das Gerät einfach Gerät sein zu lassen und was anderes zu lesen. Blöderweise ist "Tod eines Lehrers" zeitweise ziemlich spannend, sodass ich's dann doch nicht aus der Hand legen konnte. Und als ich mich an den... eigenwilligen Schreibstil gewöhnt hatte, ließ es sich auch lesen wie warme Semmeln. Oder so. Ging dann auf jeden Fall schnell. Warum meine Eltern das Buch jetzt so toll fanden, weiß ich aber immer noch nicht. Ich find's bestenfalls mäßig.

Gerade läuft: Deichkind - Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah) (Album: Aufstand im Schlaraffenland)

Samstag, 20. Mai 2006

Büchertag: Mit jedem Schlag der Stunde

Nach dem miesen letzten Buch wollte ich unbedingt mal wieder was Gutes lesen. Und was würde da besser passen als das neue Werk von David Baldacci, "Mit jedem Schlag der Stunde"? Schließlich ist Herr B. einer meiner Lieblingsautoren und hatte bis jetzt ausschließlich gute bis sehr sehr gute Bücher veröffentlicht (mir hat sogar das Familiendrama "Das Versprechen" gut gefallen, obwohl das normalerweise überhaupt nicht meine Welt ist), ist also quasi ein Garant für Qualität.

In "Mit jedem Schlag der Stunde" werden die ehemaligen Secret Service-Agenten Michelle Maxwell und Sean King, die vor einiger Zeit gemeinsam eine Privatdetektei eröffnet haben, von einem befreundeten Anwalt gebeten, die Unschuld seines Mandanten zu beweisen, der des Einbruchs verdächtigt wird. Gleichzeitig werden sie mit einem Serienmörder konfrontiert, der in ihrem beschaulichen Städtchen sein Unwesen treibt, bei jedem Mord einen anderen Serienkiller kopiert und die Uhr seiner Opfer auf eine ganz bestimmte Zeit stellt. Sean und Michelle ermitteln also an 2 Fronten und müssen bald erkennen, dass die beiden Fälle näher in Verbindung miteinander stehen, als ihnen lieb ist.

Bei seinen bisherigen Romanen hat David Baldacci immer darauf verzichtet, eine bereits bekannte Hauptfigur nochmals zum Protagonisten zu machen. In "Mit jedem Schlag der Stunde" spielen hingegen die Helden aus "Im Bruchteil der Sekunde" erneut die erste Geige, man darf das Buch also ruhigen Gewissens als "Im Bruchteil der Sekunde 2" bezeichnen. Leider scheint bei Büchern das sich viel zu oft bewahrheitende Filmgesetz ebenfalls zuzutreffen, nach dem die Fortsetzung nichtmal annähernd an das Original herankommt, denn "Mit jedem Schlag der Stunde" war eine einzige Enttäuschung. Es ist zwar vollgestopft mit Action und mit Baldaccis bisher höchsten Leichenanzahl, doch trotzdem kann es den Leser nicht mitreißen. So verfolgte ich mehr oder weniger teilnahmslos einen Mord nach dem anderen und fragte mich, wann es denn endlich richtig losgeht. Im Verlauf der Geschichte wird die Erzählung zwar spannender, jedoch übertreibt es David Baldacci ein wenig mit seinen berühmten (und bisher immer gut gelungenen) überraschenden Wendungen, sodass sie nicht nachvollziehbar, sondern viel zu erzwungen und die Gründe dafür recht haarsträubend wirken. Hinzu kommt, dass man noch nichtmal versuchen möchte, sich mit den Hauptfiguren zu identifizieren, da sie dazu viel zu nervig sind; King mit seiner ewigen Klugscheißerei und den plötzlichen genialen Eingebungen und Maxwell mit ihrer Affinität für Müsliriegel. Zu schlechter Letzt war das Ende so ziemlich das beknackteste, was mir in einem Thriller je untergekommen ist. Unrühmlicher Höhepunkt stellte für mich folgende an Lächerlichkeit kaum zu überbietende Textpassage dar:
Ein Blitz zuckte über den Nachthimmel. Wieder hörte sie [Michelle] auf der rechten Seit ein Geräusch. In einer einzigen, fließenden Bewegung drehte sie sich dorthin und feuerte. Dicht vor ihr ertönte ein peitschender Knall. Flüchtig sprühte ein Funke glutroten Lichts und erlosch.
Michelle konnte es nicht wissen, doch [der Böse] hatte sich im Halbkreis angeschlichen und im selben Augenblick geschossen wie sie. Gegen eine Wahrscheinlichkeit von einer Milliarde zu eins waren die beiden Projektile zusammengeprallt und hatten den von Michelle beobachteten feurigen Funken erzeugt.
Yes no, is clear! Sowas darf gerne in einem guten Mystery-Thriller von Stephen King und Konsorten stehen, hat aber in jedem normalen Thriller nix zu suchen! Erst recht nicht in einem von David Baldacci. Der Idiot!

Gerade läuft: The Soggy Bottom Boys - I Am A Man Of Constant Sorrow (Album: O Brother, Where Art Thou? Soundtrack)

Dienstag, 25. April 2006

Büchertag: Sapperlot!

Martins Multimediatag, Teil 1: Nach knapp 1 Monat kann Turbomartin die Lektüre von "Sapperlot!" beenden, woraufhin er den Plan fasst, die Welt über dieses Buch aufzuklären. Als Kommunikationsmedium wählt er sein Blog, der Argumentationsaufbau ist klar strukturiert: Zuerst kommt die Inhaltsangabe und dann der Senf aus eigener Herstellung.

Robert Langbeyn, der führende Anagrammologe der Universität London, wird unsanft und durch eine unappetitliche Nachricht aus dem Schlaf gerissen: Jacques Sauná-Spannér wurde in der Londoner Nationalgalerie, deren Direktor er war, durch einen in seiner Luftröhre steckenden Kabeljau ermordet. In seinen letzten Atemzügen konnte Sauná-Spannér jedoch mit seinem eigenen Blut eine Nachricht an die Wand pinseln, die es zu entschlüsseln gilt - denkt Langbeyn. In Wahrheit befinden sich Langbeyns Fingerabdrücke auf dem Kabeljau und er gilt als Hauptverdächtiger.
Glücklicherweise taucht plötzlich Sophie Nerveuse - eine französische Spezialagentin - auf, mit deren Hilfe Robert die Flucht gelingt. Gemeinsam mit Jacques altem Freund Sir Herbert Teeboytle machen sie sich auf die Suche nach dem wahren mysteriösen Geheimnis und nach Antworten auf Fragen wie z.B. "Was hat die Conspiratio Opus Dei (C.O.D.) mit der Sache zu tun?", "Wo und was ist die Mona Eda?", "Was für ein dunkles Geheimnis hütet Langbeyn?" und "Wer zur Hölle ist der Mörder?"

Wie unschwer zu erkennen ist, ist "Sapperlot!" eine Parodie auf Dan Browns Bestseller "Sakrileg". Zu ihrem Unglück fehlt dieser Parodie allerdings ein ganz entscheidenes Merkmal, das eine Parodie besitzen sollte: Humor. Zwar war der Beknackheitsgrad der Story einer Parodie mehr als würdig, leider nimmt man dies aber überhaupt nicht wahr, weil man viel zu sehr damit beschäftigt ist, sich über die sog. "Witze" zu ärgern. Die beschränken sich nämlich größtenteils auf Wortspiele, die schon im Englischen schlecht sind und durch die Übersetzung ins Deutsche nicht unbedingt an Qualität gewinnen und auf eingestreute Kommentare des Autors nach dem Motto "Interessant ist außerdem, dass Buckelwale größer sind als Erdmännchen. In Wahrheit sind sie mehr als 30 Mal so groß. Aber nun weiter mit der spannenden Szene, bei der ich gerade stehengeblieben bin." Über die Namen kann man auch nur beim ersten Lesen lachen (die Ausnahme bildet hier Teeboytle, der die Angriffsfläche für ein paar wenigstens akzeptable Wortspiele bietet) und es gibt genau eine Stelle, die ich wirklich uneingeschränkt lustig fand.

Der größte Vorteil von "Sapperlot!" ist übrigens der, dass das Buch noch nichtmal 200 Seiten dick und in recht großer Schrift geschrieben ist. Abgesehen davon ist das Gerät allerdings nicht zu empfehlen.

Gerade läuft: Nix

Donnerstag, 30. März 2006

Büchertag: Im Bruchteil der Sekunde

Aufgrund meiner fiesen Krankheitsattacke konnte ich heute die Lektüre von David Baldacci's "Im Bruchteil der Sekunde" beenden. Außerdem hab ich anscheinend meinen Schnupfen mit ausgeübergeben. 2 tolle Sachen, von denen ich nun eine näher beleuchten möchte.

Also vorher war der Schnodder, wenn ich mir die Nase geputzt hab, immer so leicht gelb.

...

Watt'n? Doch lieber die andere tolle Sache? Na gut, ausnahmsweise. Also über "Im Bruchteil der Sekunde" erzählen... Da werd ich wohl am besten mit dem Inhalt anfangen.

1996: Secret Service Agent Sean King hat die Aufgabe, den parteilosen Präsidentschaftskandidaten Clyde Ritter zu beschützen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in einem Hotel wird er allerdings für den Bruchteil einer Sekunde abgelenkt, in der Ritter erschossen wird. Kings Secret Service-Karriere ist damit beendet.
2004: Michelle Maxwell ist Einsatzleiterin des Secret Service und verantwortlich für die Sicherheit des Präsidentschaftskandidaten John Bruno. Bei einem unplanmäßigen Halt an einem Friedhof, an dem Bruno einem kürzlich verstorbenen Freund die letzte Ehre erweisen will, wird er Maxwell quasi unter den Händen wegentführt. Maxwells Secret Service-Karriere ist damit beendet. Weil ihr die Sache aber keine Ruhe lässt, beginnt sie auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen.
Kurze Zeit später findet King, der mittlerweile als Anwalt und Hilfspolizist arbeitet, die Leiche eines Mitarbeiters in seinem Büro, erschossen mit seiner Dienstwaffe. Weil ihm die Sache keine Ruhe lässt, beginnt er auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Zufälligerweise (?) kreuzen sich dabei die Wege der beiden Ex-Agenten. Stehen die beiden Jahre auseinanderliegenden Vorfälle etwa miteinander in Verbindung?

Ich gebe zu, die Story klingt nicht unbedingt sehr originell, um nicht zu viel zu verraten, kann aber nicht mehr verraten werden. Da muss man mir wohl glauben, dass die Story in Wahrheit sehr gut und raffiniert ist. Es gibt eigentlich keine Seite, auf der es nicht spannend ist, da Baldacci sich wie in fast allen seinen Büchern ein kompliziertes Puzzle hat einfallen lassen, das sich erst nach und nach zusammenfügt. Wie immer gibt es eine Menge falscher Verdächtigungen und überraschender Enthüllungen, die einem das Weglegen des Buches zu einer doch recht schweren Entscheidung machen.
Am überraschendsten ist sicherlich die letztliche Auflösung des Puzzles. Leider wirken die letzten Enthüllungen doch mehr oder weniger arg an den Haaren herbeigezogen, was aber im Grunde den Lesespaß nicht wirklich schmälert.

Alles in allem ist "Im Bruchteil der Sekunde" wie eigentlich alle Baldacci-Bücher ein guter bis sehr guter Thriller, der mir auf jeden Fall um Längen besser gefallen hat als das letzte Buch. Als letztes möchte ich positiv anmerken, dass das Buch fast völlig schnulzfrei ist. Sehr gut!

Gerade läuft: Nix

Freitag, 17. März 2006

Büchertag: Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele

Weil heute die Arbeitswoche zuende ging, ging auch mein aktuelles Buch "Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele" heute zuende. Und weil das schon immer so war, sag ich nach der letzten Buchseite, ob sich die Lektüre lohnt.

"Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele" ist der Nachfolger zu "Der elektrische Mönch", also der zweite Fall für Dirk Gentlys holistische Detektei. Diesmal geht es aber nicht um Zeitmaschinen und auf unmögliche Arten und Weisen in Treppenhäusern eingeklemmte Sofas, sondern um nordische Götter.

Die Geschichte teilt sich auf in 2 Handlungsstränge. Auf der einen Seite ist da Kate Schechter, die Bekanntschaft mit dem Donnergott Thor macht, ohne zu wissen, dass es sich um den Donnergott Thor handelt. Auf der anderen Seite ist da der Privatdetektiv Dirk Gently, der seinen ersten und einzigen Mandanten nach langer Zeit unerwartet ohne Kopf vorfindet, der Sache auf den Grund geht und dabei ebenfalls auf Thor und den Göttervater Odin stößt. Und das war's.

Ich hätte die Story ja gern mit mehr Spannung beschrieben, aber warum soll ich das machen, wenn Douglas Adams das auch nicht gemacht hat?! Das Buch ist nämlich größtenteils das, was meine Inhaltsangabe auch versucht hat zu sein: langweilig. Die Story ist wirr, teilweise unverständlich (liegt vielleicht auch daran, dass ich kein diplomierter Mythologe bin und deswegen mit nordischen Göttern nicht viel am Hut habe) und vor allem bleibt sie viele Antworten schuldig. Der für Adams typische skurrile Gesprächsstil blitzt nur ganz selten auf und kann selbst dann nicht wirklich überzeugen. Alles in allem kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass "Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele" das mit Abstand schlechteste Buch von Douglas Adams und seine Mühe leider wirklich nicht wert ist. Und von dawegen gibbet auch keine Leseprobe. Ätsch!

Gerade läuft: Farin Urlaub Racing Team - Wo ist das Problem? (Live) (Album: Livealbum Of Death)

Donnerstag, 2. März 2006

Büchertag: Herr Lehmann

Porno! Nach ziemlich genau 2 Wochen hat das Lesemonster Martin S. auch "Herr Lehmann" vernichtet und fand es ganz wunderbar mögig.

Das Buch handelt (lustigerweise) von Herrn Lehmann. Herr Lehmann heißt eigentlich Frank, wird aber von allen nur noch Herr Lehmann genannt, weil er kurz vor seinem 30. Geburtstag steht. Aufgewachsen in Bremen, zog es ihn bald nach Berlin-Kreuzberg, wo er für einen gewissen Erwin in der Kneipe "Einfall" am Zapfhahn malocht. Er trinkt gerne und öfters Bier, isst gerne Schweinebraten (ohne Kruste), hat keine Uhr und schätzt deswegen immer die Tageszeit und ist auch ansonsten zufrieden mit seinem ruhigen Leben. Daran können auch ein Hund, seine Eltern, die schöne Köchin Katrin, sein bester Freund Karl, Kristall-Rainer und der Mauerfall nicht viel ändern. Aber ein bisschen durcheinander bringen sie ihn schon...

"Herr Lehmann" ist ein ruhiges Buch, wenn man sowas von einem Buch sagen kann. Die Story ist nicht spektakulär, es gibt keine spannenden Entführungen, keine nervenaufreibende Action und keine komplizierten Wendungen. Stattdessen gibt es eigentlich nur eine Menge Alltag. Dieser Alltag ist manchmal lustig, manchmal traurig, aber vor allem ist er fesselnder als so mancher Thriller. Das liegt größtenteils an dem genialen Erzählstil von Sven Regener (übrigens hauptberuflich Sänger von Element Of Crime), der mich eigentlich von Beginn an in seinen Bann gezogen hat. Ich weiß gar nicht, was ich mögiger finden soll: Die famosen Diskussionen Herrn Lehmanns mit sich selbst und anderen Leuten oder die teilweise kilometerlangen Sätze (der längste ging glaub ich über eine ¾ Seite). Wahrscheinlich ist beides gleich phänomenal, auf jeden Fall sorgt beides dafür, dass "Herr Lehmann" das beste deutsche Buch ist, das ich je gelesen habe.

Gerade läuft: Die Sterne - 1-2-3-Tier (Album: Von allen Gedanken schätze ich doch am meisten die interessanten)

Donnerstag, 16. Februar 2006

Büchertag: Der elektrische Mönch

Heute auf dem Nachhauseweg hab ich die letzte Seite von "Der elektrische Mönch" gelesen. Vorher hab ich alle Seiten davor gelesen. Ich hab's quasi durch. Und weil es ebenfalls empfehlenswert ist, empfehle ich es hiermit.

Warum empfehle ich es? Weil es vom gleichen Autor ist, der das wahrscheinlich beste Buch der Welt schuld ist. Das sollte eigentlich schon Grund genug sein, aber weil ich nicht so bin, schüttel ich noch ein paar zusätzliche Infos aus dem Ärmel, z.B. die Story.

Richard McDuff ist Programmierer. Richard McDuff arbeitet für Gordon Way und ist mit Gordons Schwester Susan zusammen. Richard McDuff hat früher studiert und hat später ein Computerprogramm entwickelt, das die Bilanzen von Unternehmen u.a. in Musik umwandelt. Doch plötzlich passieren in Richard McDuffs Leben seltsame Dinge: Er kauft sich ein neues Sofa, das sich hoffnungslos und auf völlig unmögliche Weise in seinem Treppenhaus verkeilt. Er nimmt an einem Abendessen an seinem alten College mit seinen alten Professoren teil und wird Zeuge eines völlig unmöglichen Zaubertricks. Er entdeckt ein Pferd im Badezimmer seines alten Professors. Er überfährt seinen Chef oder auch nicht. Er trifft seinen alten Kommilitonen Svlad Cjelli wieder, der sich mittlerweile Dirk Gently nennt und übersinnliche Fähigkeiten besitzt, die er jedoch stets abstreitet. Er springt nackt in einen modrigen Kanal. Und zwischendurch reitet auch noch ein elektrischer Mönch durch's Dorf.

Hört sich total banane und skurril an? Ist es auch! Hört sich nach dem Anhalter an? Ist es nicht! Na gut, ein bisschen schon. Andererseits wiederum aber auch nicht, wobei ich nicht genau sagen kann, warum. Macht aber nix.
Was "Der elektrische Mönch" zu einem sehr sehr guten Buch werden lassen könnte, ist der typisch Adams'sche Humor und Erzählstil, der Freunde des Anhalters voll auf ihre Kosten kommen lassen wird. Es wimmelt nur so von haarsträubenden Einfällen, vollkommen skurrilen Situationen und brüllend komischen Dialogen.
Was "Der elektrische Mönch" trotzdem "nur" zu einem ziemlich guten Buch werden lässt, sind vor allem die ersten 2 bis 3 Kapitel, die doch ein bisschen zu abgedreht und unverständlich sind und die ich mehrmals lesen musste und dann immer noch nicht verstanden habe. Außerdem bleiben doch einige durchaus interessante Handlungsstränge am Ende auf der Strecke und hinterlassen mehrere offene Fragen. Zu guter Letzt sollte man dem Übersetzer bzw. dem Rechtschreibkorrektor des Übersetzers 42 Duden an den Kopf schmeißen, echt jetz!

Trotzdem können diese kleinen Kleinigkeiten nicht an der uneingeschränkten Leseempfehlung für Douglas Adams' erstes "Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-Romanzen-Komödien-Musical-Epos" rütteln. Dazu ist das Buch einfach viel zu Hafen, yeah!

Gerade läuft: King Køng - Black Dog (Album: Life Itself Is Sweet, Sweet, Sweet)

Freitag, 3. Februar 2006

Büchertag: Die Bibel nach Biff

Bestimmt haben es alle schon gesehen: Der Martin hat "Die Bibel nach Biff" durch und liest jetzt was anderes! Und weil ich das Buch sehr mögig fand, möchte ich es hiermit empfehlen.

Zu einer gelungenen Empfehlung gehört latürnich zuerst eine kurze Zusammenfassung der Story. Weil diese spezielle Empfehlung hier selbstverständlich überaus außergewöhnlich gelungen ist, fängt diese Zusammenfassung auch direkt im nächsten Absatz an.

Im Jahre 2000 wird der Engel Raziel (u.a. verantwortlich für die Heuschreckenplage in Ägypten) vom lieben Gott auf die Erde geschickt, um einen gewissen Biff auferstehen zu lassen. Biff heißt eigentlich Levi bar Alphäus, hat den Sarkasmus erfunden und war der beste Freund eines gewissen Jesus H. Christus, der im Hebräischen Josua genannt wird. Nun lässt Gott ja nicht einfach so wahllos irgendwelche Leute auferstehen, er hatte für Biffs Reanimation einen guten Grund: Ihm gefiel das Neue Testament nicht so ganz, weil dort zwar jede Menge über Jesu Geburt und seinen Tod steht, aber so ziemlich überhaupt nix über seine Jugend. Dieses Manko gilt es zu beseitigen und wer könnte das besser als Josuas bester Freund?
Raziel sperrt Biff also in ein Hotelzimmer und drängt ihn dazu, seine Geschichte zu Papier zu bringen, während er sich Pizza mampfend Seifenopern und Wrestling reinzieht. Und so erfährt man endlich alles, was man schon immer über Biffs und Josuas Kindheit, Pubertät und Ausbildung, über Josuas Heilungen, Speisungen, Predigten und sonstige Wunder wissen wollte.

Mögig ist "Die Bibel nach Biff" deswegen, weil das Buch lustig, spannend und sogar ein bisschen traurig ist und Jesus aus einer nahezu völlig anderen Sicht schildert, nämlich als Mensch wie du und ich. Fast wie du und ich. Das ist jetzt zwar eine äußerst schwache Begründung, aber ich will ja auch nicht alles verraten. Nur, dass es sich lohnt, das mal gelesen zu haben. Echt jetzt. Unter anderem wegen Textstellen wie dieser hier, die ich jetzt mal wahllos herausgegriffen habe:
Josua starrte in den Staub am Boden, dachte oder betete, das konnte ich nicht erkennen. Schließlich sagte er: "Johannes' Jünger dürften wie Backfische in der Wüste sein."
"Durstig?", riet Nathanael.
"Hungrig?", riet Petrus.
"Notgeil?", riet Thomas.
"Nein, ihr halben Hirne, verloren. Sie dürften verloren sein."
Gerade läuft: Kaizers Orchestra - Ompa Til Du Dør (Album: Ompa Til Du Dør)